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Glaube und Identität

Ich bin Elena Runner, eine Siebenten-Tags-Adventistin, in Deutschland lebende Russisch-Hebräerin und reidentifizierte Frau. (Ihr könnt ahnen, wo die Identitätsprobleme begannen.)

Als Kind sagte man mir oft, mein Aussehen oder Benehmen sei nicht mädchenhaft. Die Art, wie STA sich kleiden, stiftete mehr Verwirrung: weder Schmuck, noch Schminke, fast GNC. Ich spielte und kämpfte mit Jungs, konnte mit Mädelsgesprächen über Mode und Liebe nichts anfangen.

Ich verliebte mich ja schon in Jungs – ich wünschte nur, auch einer zu sein. Ich sagte es meiner Mutter, bevor ich 12 war. Mit 16 sagte ich meinem besten Freund und Schwarm, ich hätte ein schwuler Typ sein sollen. Das Jahr danach sagte ich meiner Mutter, dass ich in meine beste Freundin verliebt bin... Wir haben alle drüber geschmunzelt. Als Adventist bleibst du, wie Gott dich geschaffen hat, und heiratest fürs Leben. Diesen natürlichen Lauf habe ich nie angezweifelt..

In der Schule sagten die Mobber immer wieder, ich sei nicht Mädchen genug, und ich glaubte es. Ich hatte dunkle Haare überall und einen Damenbart, war gekleidet wie Dr. House – und benahm sich wie ein Gentleman mit Menschen, in die ich verliebt war, ob Junge oder Mädchen. Die Gerüchte, ich sei lesbisch, gingen so weit, dass ein Mädchen wegen verlorener Wette versuchen sollte, mich zu verführen. Kurz vor Abi-Ball mussten sich alle zum Spaß verkleiden, auch crossdressen – für mich waren Anzug und Krawatte wie eine Offenbarung.

Seit dem Alter von 14 war ich in Fandoms und habe genug Yaoi/Slash gesehen. Ich wünschte, ich hätte es nicht. Die unrealistische m/m Liebesgeschichten – von Frauen für Frauen geschrieben! – haben mein Verständnis von Gender weiter zerstört und meine Dysphorie zementiert. Ich hatte keine Verbindung zu meinem Körper und Sexualität, wenn ich sie nicht auf einen männlichen Charakter projezierte. Ich begann unter einem genderneutralen Pseudonym zu schreiben: Runner. In den 2010ern it war es im Trend, online männliche Pronomen zu nutzen, aber ich tat es nicht, weil das eine Lüge gewesen wäre, so dachte ich, und Lüge eine Sünde.

Erst mit 20 brach ich aus meiner toxischen Umgebung aus und kam an die Uni. Ein echtes Wunder! Unweit von mir war eine lebendige Adventgemeinde. Plötzlich waren da die freundlichen Mädels, zu denen ich aufschaute, und echte Jungs, deren Charakter nichts mit ihrer Darstellung in den Medien gemeinsam hatte – oder mit meinem Innenleben.

So began die Veränderung. Ich habe nie das Geschlecht geändert, und doch fühlte sich meine Erfahrung wie eine Detransition an. Google-Suchen nach “Frau sein lernen” brachte mich auf MtF-spezifische Webseiten. Ich lernte, auf komfortable Art feminine zu wirken. Ich warf meinen echten Namen ab, wie er in der Schule ausgesprochen wurde, und auch mein genderneutrales Pseudonym. Ich habe, bis heute mit wechselndem Erfolg, m/m (und später androzentrische) Inhalte aufgegeben – zu lesen und selber zu schreiben.

Und bis ins Jahr 2020 konnte ich meine Erfahrung nicht beschreiben noch benennen. Cis, nonbinary, genderfluid – ich habe sogar versucht, die von Hatern genutzte “FtF“ Fahne zurückzuerobern. Dann fand ich die Detrans Community. Dafür bin ich unglaublich dankbar und teile meine Geschichte gerne mit allen, die sie hilfreich finden mögen.


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